KBSO Open Air in Dresden am 6.1.2007
Juni 16, 2007
Das einzigartige, das phänomenale, das original Kurt-Bücher-Showorchester hat es getan: Auftritt in Dresden, in der Heimat eines bekannten westerwälder „Musikgottes“ – Heimspiel sozusagen.
Gleich vorweg: Es war hundekalt.
Aber schon unsere erste Nummer „La coccinella – Christmas version“ brachte sowohl die 3 Meter 80 dicke Schneedecke im tiefverschneiten Rudolf-Harbig-Stadion als auch die beharrlich wartenden und festgefrorenen Sachsen erst zum Schamelzen und anschließend zum Kochen.
Nach Polizeiangaben waren 70.000 KBSO-Fans angereist. Verlässlichere Zählungen unserer beiden männlichen Trompeter ließen aber eher auf deutlich über 120.000 begeisterte, kreischende Groupies schließen. (Anbei sei angemerkt: Trotz Zählens war jeder Einsatz knackig und hochpünktlich, eher 2 Sekunden zu früh, als zu spät)
Damit nicht genug: Nach „We will Rock you“ und der quietschfidel vorgetragenen A-capella-Nummer „Männer“ konnten unser Saxophonsatz so richtig auftrumpfen: Sieben Meter zwanzig Blech! Eine Wand aus goldenen, röhrenden, swingenden und rockenden Kannen.
Ihr Solo bei „Lucy in the Sky with Diamonds“ führt Sophia Allef bis an den Rand der Bühne und die wie elektrisierte wirkenden Zuschauer an den der Verzückung.
Etwas ruhiger wurde es nur kurz, als Vicky Markewitz und Josie Kruft das Thema aus „Casablanca“ ihren Vornamen entsprechend in leicht gekürzter Form in sphärenharmonischer Eintracht zu Gehör brachten.
Gerade als die Zuschauer ein wenig Gnade erwarteten, schlug Alexandra Steinebach mit einem Querflötensolo der Extraklasse zu. Ein nachweihnachtlich geprägtes „Joy to the world“ brachte das Publikum endgültig zur Raserei. Ian Anderson sagte später in einem Interview, dass er nie mehr eine Flöte anrühren würde. Alexandra, wo immer es dich hin treibt, viel Erfolg bei Jethro Tull!
Wurde die erste Hälfte des Konzertes souverän und gewohnt solide von den Drums der Anna Schuler nach vorn gepeitscht, übernahm zur Hälfte des Konzertes Anna Wendel die Zauberei hinter der Schießbude. Beide waren jederzeit ein verlässlicher Rückhalt für die ganze Kapelle, allen voran für die Sängerin Maxi Rausch, die mit ihrer erdigen Stimme die anwesenden Zuhörer berauschte (Das war aber jetzt ein billiger Kalauer…) Jedenfalls hat das Wort Rockröhre ab sofort wieder eine Bedeutung und Daseinsberechtigung. (Sorry Tina…)
Aber auch in der zweiten Hälfte ließ das KBSO keine Zeit zum durchatmen. Selbst der in Mimik und Bewegungslosigkeit an John Entwistle erinnernde Gitarrist des KBSO geriet aus jedem nur denkbaren Häuschen als die zweite Sängerin des einzig waren Showorchsters im roten Palliettenkleid zu „Let me entertain you“ kopfüber von der Flutlichtanlage gelassen wurde. Auch Robbie Williams wird sich nach dieser Nummer aus dem aktiven Musikgeschäft zurückziehen, wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war.
Die zweite Hälfte des Konzertes brachte aber auch wieder genügend Gelegenheiten für die übrigen Saxophonistinnen zu brillieren.
Tessa Gengnagel legte nach einem rotzfrechen und respektlosen „Crazy“ einen Stagediving vom feinsten und vom Boxenturm hin und wurde erst nach etlichen Minuten wieder vom Publikum zur Bühne gereicht, nachdem sie frenetisch bejubelt wurde.
Unsere beiden Neuzugänge am Saxophon, Julia Haushahn und Sina Schmitz – das Juniordreamteam mit der goldenen Tröte – legte ein so feines Duett hin, das Branford Marsalis die beiden anschließend um Unterricht bat.
Aber was wäre das KBSO ohne die Percussionistin Carolin, die mit einer Aufmerksamkeit auf ihre Einsätze wartete, dass der Trompetensatz (zumindest der männliche Teil) ab sofort Konzentrationsübungen von Carolin bekommt.
Und nicht nur das: Nach einem unglaublichen Abend im winterlichen Rudolf-Harbig-Stadion rührte Carolin auch noch nach fünf Stunden und achtzehn Zugaben zuverlässig die Bongos. Ihren ersten Einsatz am Schlagzeug wenige Tage später meisterte sie natürlich ebenso souverän.
Das KBSO open Air – Eine traumhafte Veranstaltung im tiefen Winter.
P.S.: Direkt nach dem Konzert führte da KBSO ein Casting durch, bei dem nicht nur der Saxophonsatz auf etwa siebeneinhalb Meter verbreitert, sondern auch endlich wieder der Trompetensatz komplettiert wurde.
P.P.S.: Spielt da draußen jemand Posaune?
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